Innovationen entstehen nicht nur in Labors oder Entwicklungszentren. Oft sind es Menschen, die ihr fachliches Know-how langfristig und systematisch ausbauen. Einer von ihnen ist auch unser Kollege Oto Weber von Lovochemie, der letztes Jahr erfolgreich an der Fakultät für Umweltwissenschaften der UJEP im Fach Umweltgeoinformatik promoviert hat – sein Studium wurde ihm auf der Grundlage einer Qualifikationsvereinbarung ermöglicht. Das Ergebnis seiner Diplomarbeit ist ein einzigartiger digitaler Zwilling des Produktionsgeländes von Lovochemie. Das Projekt, das auch in Fachkreisen Beachtung gefunden hat, bringt heute konkrete Vorteile für die Sicherheit, die Verwaltung und die weitere Entwicklung unseres Werks mit sich.
Oto Weber ist seit mehr als zehn Jahren als GIS-Spezialist (Geografisches Informationssystem) bei Lovochemie tätig. Im Rahmen seiner Aufgaben widmet er sich der Entwicklung und Verwaltung von Geoinformations-Tools, die für eine effiziente Verwaltung von Standorten, Infrastruktur und Daten von Bedeutung sind. Dank der Unterstützung des Unternehmens konnte er sich fachlich weiterentwickeln und seine Qualifikation durch ein Studium an der UJEP vertiefen, wo er sich auf Umweltgeoinformatik spezialisierte.
Das Thema seiner Diplomarbeit stand in engem Zusammenhang mit den Anforderungen der Praxis: die Erstellung einer präzisen virtuellen 3D-Kopie des Geländes der Chemiewerke Lovosice, die als Instrument für räumliche Analysen, Entwicklungsplanung und die Simulation von Krisensituationen dienen soll. Es handelte sich nicht um ein theoretisches Experiment, sondern um ein Projekt mit direktem Einsatz im Betrieb.

Wie das digitale Zwilling des Geländes entstand
Der digitale Zwilling wurde auf der Grundlage einer berührungslosen Erfassung von räumlichen Daten mithilfe von Drohnen erstellt. Diese waren sowohl mit einer klassischen Fotogrammetriekamera als auch mit einem LiDAR-Laserscanner ausgestattet. Das Ergebnis sind Zehntausende von Fotos und Millionen von Punkten, die Gebäude, technische Anlagen und das umliegende Gelände erfassen.
Durch die Kombination dieser Methoden entstand ein geometrisch präzises und visuell realitätsgetreues 3D-Modell des gesamten Lovochemie-Geländes. Aus denselben Daten wurde auch eine neue Orthofotokarte mit einer hohen Auflösung von etwa 3 cm pro Pixel erstellt. Das Ergebnis ist ein detailliertes digitales Abbild der gesamten Anlage, das die Realität mit außerordentlicher Genauigkeit wiedergibt.
Die Einzigartigkeit des Projekts liegt vor allem in seinem Umfang. Ähnlich detaillierte Modelle werden üblicherweise für einzelne Objekte erstellt, nicht jedoch für einen gesamten Industriekomplex dieser Größe. Die Verarbeitung der riesigen Datenmenge erforderte parallele Berechnungen auf den zehn leistungsstärksten Computern der Fakultät. Auch dies verdeutlicht den hohen Anspruch und das technische Niveau der gesamten Arbeit. Die Datenerhebung auf dem Chemiewerkgelände war zudem logistisch anspruchsvoll – es galt, die Drohnenflüge, den Verkehr auf der Werksbahn sowie die Sicherheitsmaßnahmen zu koordinieren, die von der betriebseigenen Feuerwehr überwacht wurden. An dem Projekt war auch das Unternehmen ArcDATA PRAG beteiligt.